{"id":207,"date":"2018-02-14T18:45:55","date_gmt":"2018-02-14T18:45:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=207"},"modified":"2024-10-29T10:06:40","modified_gmt":"2024-10-29T10:06:40","slug":"bauentwicklung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=207","title":{"rendered":"Bauentwicklung"},"content":{"rendered":"<h2>325 Jahre Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle: ein &#8222;historisches Kleinod&#8220;<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ein heute leider selten gewordenes Bild&#8220; biete sich dem aufmerksam-sensiblen Besucher&nbsp; der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle, &#8222;die Harmonie von Geb\u00e4ude und Landschaft&#8220; habe sich &#8222;hier am \u00f6stlichen Ortsrand von Ovelg\u00f6nne ohne St\u00f6rungen erhalten&#8220;, so umschreibt der Hochschulprofessor Dr. Meyer-Bruck<span style=\"font-size: 8pt;\">(1)<\/span> das Ambiente am M\u00fchlenteich 1986, i. e. nach gerade vollendeter, in jeglicher Beziehung gelungener Restaurierung des historischen Geb\u00e4udes und des M\u00fchlenwerks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich wird auch Detlef Schwar, seit 1665 erfolgreicher P\u00e4chter der bedeutsamen Amtsm\u00fchle zu Moisburg<span style=\"font-size: 8pt;\">(2)<\/span>, die Sch\u00f6nheit und den Reiz der charakteristisch niederdeutschen Landschaft dort wahrgenommen und genossen haben, allerdings war das Interesse des t\u00fcchtigen M\u00fcllers in welfischen Diensten prim\u00e4r materiell ausgerichtet. Schlie\u00dflich befand man sich nach all\u00b4den Zerst\u00f6rungen und Verw\u00fcstungen, die der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg angerichtet hatte, in den Jahren des Wiederaufbaus, und im Zeichen des wirtschafltichen Aufschwungs wurden auch die Leistungen des M\u00fcllerhandwerks verst\u00e4rkt nachgefragt.<br \/>\nAlso suchte und fand Detlef Schwar um 1670 in Ovelg\u00f6nne an einem bereits vorhandenen Fischteich den idealen Standort f\u00fcr den Bau eines weiteren Mahlbetriebes. Diese seine Initiative hatte die volle Unterst\u00fctzung seines Landesherrn in Celle, lag sie doch ganz auf der Linie der welfischen Territorial- und Machtpolitik. Es konnte und sollte, so hat A. C. F\u00f6rste<span style=\"font-size: 8pt;\">(3)<\/span> \u00fcberzeugend nachgewiesen, &#8222;nach den ersten Bauernstellen und dem Amtsvorwerk&#8220; die M\u00fchle &#8222;der dritte und letzte Bestandteil des alten Ovelg\u00f6nne werden&#8220;, der Ort als Vorposten der Grenz- und Nutzungsstreitigkeiten mit dem bremischen Buxtehude weiter aufgebaut und verst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht zuletzt war dem als &#8222;weltm\u00e4nnisch gebildet und prunkliebend&#8220; geltenden Barockf\u00fcrsten Georg Wilhelm zu Celle jede weitere M\u00fche als Einnahmequelle zur Finanzierung seiner Repr\u00e4sentationsambitionen willkommen. W\u00e4hrend der Herzog also das Celler Schloss umbauen und erweitern lie\u00df und die Anlage eines `Franz\u00f6sischen Gartens\u00b4 in Auftrag gegeben hatte, baute Meister Schwar &#8212; auf eigene Kosten und in Eigenregie &#8212; eine weitere Produktionsst\u00e4tte, die Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle, um anschlie\u00dfend f\u00fcr einen relativ g\u00fcnstigen Jahrespachtzins von 40 Reichstalern das Mahlrecht \u00fcbertragen zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwar mu\u00df m\u00e4chtig stolz auf die kleine von ihm eigenst\u00e4ndig errichtete M\u00fchle in rustikaler Sch\u00f6nheit gewesen sein, hat er sich doch, eingeschnitzt im Balken der Eingangst\u00fcr, sein eigenes historisches Zeugnis gesetzt, das gleichzeitig Aufschluss gibt \u00fcber die sozio\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge jener Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vorher waren n\u00e4mlich die Umbauten des Celler Schlosses &#8222;nach venezianischem Vorbild&#8220;<span style=\"font-size: 8pt;\">(4)<\/span> abgeschlossen worden, das bezeugt die in einem der Giebel in goldenen Ziffern prangende Jahreszahl 1670. Beide historischen Dokumente, bezieht man sie aufeinander, verdeutlichen die Zusammenh\u00e4nge traditionell g\u00fcltigen Rechts und der gesellschaftlichen Realit\u00e4t im 17.\/18. Jahrhundert: barockf\u00fcrstliche Prachtentfaltung wurde erkauft mit den Leistungsanforderungen und der Arbeitskraft der von der Grund- und Landesherrschaft Abh\u00e4ngigen, und die Eink\u00fcnfte aus den M\u00fchlengesch\u00e4ften waren nicht unerheblich.<br \/>\nF\u00fcr den M\u00fcller bedeutete dies, weiterhin flei\u00dfig zu sein, in &#8222;seinen&#8220; M\u00fchlen in Moisburg, Ovelg\u00f6nne und sp\u00e4ter noch an der Harburger Aussenm\u00fchle (heute HH) optimal zu wirtschaften und im \u00dcbrigen standesgem\u00e4\u00df bescheiden zu sein. Diese Rahmenbedingungen sind in der Anlage und Strukturierung des Ursprungbaus der Ovelg\u00f6nner M\u00fchle von 1674 geradezu ablesbar:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_240\" aria-describedby=\"caption-attachment-240\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-240 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/gesch1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-240\" class=\"wp-caption-text\">Zun\u00e4chst ist das M\u00fchlengeb\u00e4ude um ein &#8222;Fach&#8220; k\u00fcrzer gewesen, n\u00e4mlich etwa 10,25m. So l\u00e4sst sich einwandfrei rekonstruieren: der Ursprungsbau hatte im westlichen Fach drei kleine Kammern (etwa 1,80 x 2,00 bis 3,00m), die von der M\u00f6hlendeel aus \u00fcber zwei vorgelegte Stufen zu betreten waren. F\u00fcrwahr eine winzige &#8222;M\u00fcllerwohnung&#8220; auf rund 13,50qm!<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von der Fachhochschule Buxtehude durchgef\u00fchrte Bauaufnahme beweist, dass von der insgesamt vorhandenen Raumkapazit\u00e4t von 73,5qm nur 13,5qm aufgeteilt in drei winzige Kammern, entsprechend einem Fach(-werk) von 2,00m Breite, f\u00fcr Wohnzwecke reserviert waren, d. h. ca. 82% der R\u00e4umlichkeiten war in funktionaler Ordnung dem Arbeitsprozess vorbehalten: Getriebekeller, Mahlboden, Stapel- und Arbeitsraum des M\u00fcllers forderten Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Anordnung hat sich bis ins fr\u00fche 19. Jahrhundert hinein nichts ge\u00e4ndert, dann aber stiegen die Wohnanspr\u00fcche auch der gemeinen Leute offensichtlich an, und so wurde auch die Wohnfl\u00e4che der Ovelg\u00f6nner M\u00fchle nach Westen hin verdoppelt, d. h. das Geb\u00e4ude um ein Fach vergr\u00f6\u00dfert, und sogar mit einer w\u00e4rmed\u00e4mmenden Lehmstakendecke ausger\u00fcstet<span style=\"font-size: 8pt;\">(5)<\/span>. Allerdings musste die M\u00fcllersfamilie noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunders warten, dass die &#8222;Schwarze K\u00fcche&#8220; mit offenem Herdfeuer verschwand und durch den Bau eines Schornsteins ein geregelter Rauchabzug erm\u00f6glicht wurde.<br \/>\nIn diese Zeit der Industrieentwicklung fallen auch eine Reihe technischer Innovationen am M\u00fchlenwerk, vor allem wurde das anf\u00e4llige Holz f\u00fcr die Au\u00dfenanlagen, den K\u00e4hner und das M\u00fchlrad, durch Eisenmetall ersetzt, aber auch Grunderneuerungen am Getriebe im Inneren vorgenommen. Diese Ma\u00dfnahmen werden M\u00fcller F. L. Hasenkamp zugeschrieben, dessen Name auf der Mahltrommel mit der Jahreszahl 1855 zu finden ist und der die M\u00fchle bis 1872 in Pacht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dannach war die Rolle des Pachtm\u00fcllers in Ovelg\u00f6nne ausgespielt, denn die M\u00fchle wurde von dem Eigent\u00fcmer des in unmittelbarer N\u00e4he liegenden Hofes erworben, und sie diente von jenem Zeitpunkt an bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts dem Eigenbedarf und den Zwecken des landwirtschaftlichen Betriebes, i. e. f\u00fcr den Antrieb der Dresch- und S\u00e4gemaschinen und zum Schroten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vermehrt wurde der wohl noch vor dem I. Weltkrieg umger\u00fcstete Arbeits- und Wohntrakt an Quartiersuchende, v. a. an Hamburger Wochenendurlauber, vermietet und nach dem II. Weltkrieg endg\u00fcltig f\u00fcr Wohnzwecke umgebaut und eingerichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine sehr kritische Phase mu\u00dfte die M\u00fchle in den siebziger und fr\u00fchen achtziger Jahren unseres Jahrhunderts \u00fcberstehen, als das Geb\u00e4ude, verwohnt und verfallen, seinem Ende entgegend\u00e4mmerte und viele angeblich kritische Stimmen das Verschwinden solcher &#8222;Schandflecken&#8220; forderten.<br \/>\nEs ist der Stadt Buxtehude und speziell dem damaligen Kulturdezernenten zu danken, dass solcher Mentalit\u00e4t offensiv und erfolgreich entgegengewirkt wurde. Die beiden Stader Kreisarch\u00e4ologen Dr. Frerichs und Dr. Mettjes, die von der Stadt eingeschaltet worden waren, kamen \u00fcbereinstimmend zu dem Urteil, dass die Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle &#8222;ein historisches Kleinod&#8220; darstelle, &#8222;das im Landkreis Stade (inkl. der beiden selbstst\u00e4ndigen St\u00e4dte) einzigartig ist&#8220; (Protokoll vom 04.02.1985).<br \/>\nDas motivierte endg\u00fcltig: statt eines Abbruchs begann f\u00fcr die M\u00fchle ein v\u00f6llig neuer Abschnitt ihrer Geschichte, als 1985 ein umfangreiches Sanierungs- und Restaurierungsprogramm anlief, der Verein Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle die \u00b4pro cura` \u00fcbernahm und ein vielf\u00e4ltiges, in sich stimmiges Jahreskonzept f\u00fcr ein interessiertes Publikum entwickelt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle, unsere liebenswerte \u00b4molina\u00b4, feierte im Jahre 1999 ihren 325. Geburtstag. Sie hat ein stattliches Alter erreicht und bietet sich uns in alter Sch\u00f6nheit und Funktionst\u00fcchtigkeit dar; sie spielt heute zwar eine neue, aber angesichts unserer gesichts- und geschichtsloser werdenden Umwelt eine bedeutsame Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Werner Benecke (+)<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Lietraturhinweise<br \/>\n1) Heinz Meyer-Bruck, Die Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne, Buxtehuder Notizen Nr. 2 1986, p. 5<br \/>\n2) A. C. F\u00f6rste, Urspurng und Name des Dorfes Ovelg\u00f6bbe, Kreis Harburg, Selbstverlag Moisburg, 1966, p. p. 12f.<br \/>\n3) A. C. F\u00f6rste, a.a.o. p. 12 und p. 22f.<br \/>\n4) K. Br\u00fcning, ed., Historische St\u00e4tten Deutschlands, Stuttgart, 1976, p. 95<br \/>\n5) Heinz Meyer-Bruck, a.a.o., p. 13ff.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Erweiterung des Wohnteils &#8211; 18. oder Fr\u00fches 19. Jahrhundert &#8211;<\/h3>\n<figure id=\"attachment_245\" aria-describedby=\"caption-attachment-245\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-245 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/gesch2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-245\" class=\"wp-caption-text\">Das Ergebnis dieses Umbaus, noch im 18. oder sp\u00e4testens in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, ist also eine verdoppelte Wohnfl\u00e4che und damit zum ersten Mal die M\u00f6glichkeit, eine etwas gr\u00f6\u00dfere &#8222;Stube&#8220; in der Nordwestecke von ca. 3,00 x 4,30m einzurichten.<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>325 Jahre Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle: ein &#8222;historisches Kleinod&#8220; &#8222;Ein heute leider selten gewordenes Bild&#8220; biete sich dem aufmerksam-sensiblen Besucher&nbsp; der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle, &#8222;die Harmonie von Geb\u00e4ude <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=207\" title=\"Bauentwicklung\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":21,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/207"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=207"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":890,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/207\/revisions\/890"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/21"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}