{"id":213,"date":"2018-02-14T18:48:53","date_gmt":"2018-02-14T18:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=213"},"modified":"2024-10-29T10:07:28","modified_gmt":"2024-10-29T10:07:28","slug":"meister-schwar","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=213","title":{"rendered":"Meister Schwar"},"content":{"rendered":"<h2>Detlef Schwar (&gt; 1630 &#8211; 1689)<\/h2>\n<p><strong>Unternehmerisches Talent im Zeichen feudalistisch gepr\u00e4gter Dominanz, Teil I<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Relativ wenig wussten wir bislang von Detlef Schwar, dem Bauherrn und ersten Besitzer der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle. Die Balkeninschrift \u00b4M. Detlef Schwar Anno 1674\u00b4 ist, das ist l\u00e4ngst erwiesen, &#8222;ihrer Bedeutung nach&#8220; (W. Meyne) eine historische Urkunde, die einen gesch\u00e4ftlich bedingten Vorgang bezeugt. Es handelt sich um einen &#8222;\u00dcberrest&#8220; im klassischen Sinne, der ein objektives Bild, eine &#8222;Momentaufnahme&#8220;, vermittelt, allerdings von sich aus keine weiterf\u00fchrenden Zusammenh\u00e4nge aufzeigt, keinerlei direkte Ausk\u00fcnfte gibt \u00fcber Ursache und Anlass seiner Entstehung oder \u00fcber die Zielfunktion, die der Bauherr mit seinem Signum seinerzeit setzen wollte.<br \/>\nMehr beil\u00e4ufig und in einem anderen thematischen Zusammenhang wird er von A. C. F\u00f6rste als einen seinerzeit bekannten t\u00fcchtigen M\u00fcller bezeichnet, &#8222;der schon 1665 die bedeutende Moisburger Kornm\u00fchle in Pacht hatte&#8230;&#8220;. <span style=\"font-size: 8pt;\">(1)<span style=\"font-size: 12pt;\"><br \/>\nUnd auch die Ausf\u00fchrungen Chr. Schleefs &#8222;Zur Geschichte der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(2)<\/span> beschr\u00e4nken sich auf allgemein gehaltene Angaben zum &#8222;ersten P\u00e4chter und Besitzer der M\u00fchle&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_297\" aria-describedby=\"caption-attachment-297\" style=\"width: 607px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-297\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar9a.jpg\" alt=\"\" width=\"607\" height=\"157\"><figcaption id=\"caption-attachment-297\" class=\"wp-caption-text\">Balkeninschrift Wasserm\u00fchle Ovelg\u00f6nne: M. Detlef Schwar Anno 1674<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Autoren werten die Balkeninschrift \u00fcber der Eingangst\u00fcr im wesentlichen als Dokumentation eines gew\u00f6hnlichen gesch\u00e4ftlichen Vorgangs, dass n\u00e4mlich Detlef Schwar kraft landesherrlicher Konzession 1674 an dem bereits vorhandenen Fischteich auf eigene Kosten eine neue M\u00fchle bauen und diese f\u00fcr einen von ihm zu zahlenden Pachtzins bewirtschaften durfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Festschrift anl\u00e4sslich des 325. Geburtstages unserer &#8222;molina&#8220; habe ich dann die folgenden, z. T. hypothetisch gehaltenen Aussagen gewagt: &#8222;Schwar muss m\u00e4chtig stolz auf die kleine von ihm eigenst\u00e4ndig errichtete M\u00fchle in rustikaler Sch\u00f6nheit gewesen sein, hat er sich doch, eingeschnitzt im Balken der Eingangst\u00fcr, sein eigenes historisches Zeugnis gesetzt, das gleichzeitig Auschluss gibt \u00fcber die sozio\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge jener Zeit. Kurz vorher waren n\u00e4mlich die Umbauten des Celler Schlosses `nach venezianischem Vorbild\u00b4 abgeschlossen worden. Das bezeugt die in einem Giebel in goldenen Ziffern prangende Jahreszahl 1670. Beide historischen Dokumente, bezieht man sie aufeinander, verdeutlichen die Zusammenh\u00e4nge traditionell g\u00fcltigen Rechts und der gesellschaftlichen Realit\u00e4t im 17.\/18. Jahrhundert: &#8222;Barockf\u00fcrstliche Prachtentfaltung wurde erkauft mit den Leistungsanforderungen und der Arbeitskraft der von der Grund- und Landesherrschaft Abh\u00e4ngigen, und die Eink\u00fcnfte aus den M\u00fchlengesch\u00e4ften waren nicht unerheblich.&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(3)<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_296\" aria-describedby=\"caption-attachment-296\" style=\"width: 607px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-296\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar9.jpg\" alt=\"\" width=\"607\" height=\"393\"><figcaption id=\"caption-attachment-296\" class=\"wp-caption-text\">Wappen und Insignien des welfischen Herrscherhauses am Portal des Celler Schlosses<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von Hermann Garbers zur Erkundung seiner Vorfahrerschaft aufgesp\u00fcrte Quellenmaterial<span style=\"font-size: 8pt;\"> (4) <span style=\"font-size: 12pt;\">l\u00e4sst nunmehr den Schluss zu, dass die o. a. Thesen einen richtigen Interpretationsansatz zum tieferen Verst\u00e4ndnis der Balkeninschrift enthalten: Es handelt sich hier um eine Urkunde, die auch und prim\u00e4r aus zutiefst pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen enstanden ist: Detelf Schwar meldet &#8211; zumindest latent &#8211; mit diesem scheinbar unscheinbaren historischen Zeugnis gesellschaftspolitische Anspr\u00fcche f\u00fcr das M\u00fcllergewerbe an.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 17. Jahrhundert war zun\u00e4chst gepr\u00e4gt von den Auswirkungen der konfessionellen Gegens\u00e4tze, die sich 1618 in einem z. T. grausam gef\u00fchrten drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg entluden. Ganze deutsche Landstriche wurden verw\u00fcstet, St\u00e4dte und Dorfkulturen wurden zerst\u00f6rt, die Bev\u00f6lkerung um 30 &#8211; 50% reduziert. Im Oktober 1648 fand der wohl scheu\u00dflichste Krieg der Neuzeit sein seit langem herbeigesehntes Ende, und die Menschen konnten sich endlich wieder zukunftsorientiert verhalten.<br \/>\nDas tat damals ganz offensichtlich auch der junge Detlef Schwar, der 1630, also mitten in den Kriegszeiten, das Licht der Welt erblickt hatte. Das Geburtsjahr konnte lediglich indirekt, d. h. \u00fcber sp\u00e4ter erstellte Stamm- bzw. Familiendokumente seiner Kinder ausfindig gemacht werden, denn es liegt (bisher!) keinerlei historisches Quellenmaterial vor, das uns informieren k\u00f6nnte \u00fcber die Herkunft Detlef Schwars, \u00fcber seinen Geburtsort, sein genaues Geburtsdatum, sein Elternhaus oder seine Kindheit.<br \/>\nDas vorliegende Schriftgut, die schriftlichen \u00dcberreste aus seinem sp\u00e4teren Leben lassen jedoch relevante R\u00fcckschl\u00fcsse auch f\u00fcr die fr\u00fchere Phase seiner Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung zu. Offensichtlich hat er sich als junger Mann ideenreich, tatkr\u00e4ftig und zielbewusst die Grundlagen f\u00fcr eine erfolgsversprechende Zukunft geschaffen. In seinem Arbeitsumfeld muss er schon bald eine feste Gr\u00f6\u00dfe geworden sein und soweit pers\u00f6nliche und berufliche Anerkennung erworben haben, dass er 1656 seine erste Ehe <span style=\"font-size: 8pt;\">(5) <span style=\"font-size: 12pt;\">schlie\u00dfen und somit eine Lebensgemeinschaft begr\u00fcnden konnte, die er sp\u00e4ter f\u00fcr eine von ihm zweckbestimmte Familien- bzw. Heiratspolitik zu nutzen wusste.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zun\u00e4chst konzentrierte sich der ehrgeizige junge M\u00fcller auf die n\u00e4chstliegenden Schritte seines beruflichen Fortkommens.<br \/>\nAls 1665 die wirtschafltich bedeutsame M\u00fchle der &#8222;Hausvogtei Moisburg&#8220; mit dem deutlich h\u00f6heren Pachtzins von 440 Reichstalern neu ausgeschrieben wurde, bot er sich mutig an und wurde Nachfolger von&nbsp; Detlef Behren\u00df, der nur 306 Rtlr. gezahlt hatte. <span style=\"font-size: 8pt;\">(6)<br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt;\">Detlef Schwar hatte die verst\u00e4rkte Nachfrage nach Nahrungsmitteln erkannt und nutzte seine Chance in Erwartung eines steigenden Umsatzes und entsprechenden Gewinns. Und der Erfolg stellte sich ein: in den Folgejahren ist es ihm gelungen, so viel Kapital zur Verf\u00fcgung zu haben, dass er es sich leisten konnte, Anfang der 70er-Jahre eine Initiative gr\u00f6\u00dferen Stils zu ergreifen. Er konnte und wollte den Bau einer weiteren M\u00fchle ohne finanzielle Fremdhilfe an dem von ihm bestimmten Standort in Ovelg\u00f6nne bewerkstelligen, um sie im vertraglichen Einvernehmen mit seinem welfischen Landesherrn f\u00fcr 40 Rtlr. pro Jahr zus\u00e4tzlich zu bewirtschaften.<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;Unternehmen&#8220; Wasserm\u00fchle Ovelg\u00f6nne schien das Meisterwerk und bis dahin der H\u00f6hepunkt der beruflichen Entfaltung Detlef Schwars zu sein. Das sollte auch nach au\u00dfen hin deutlich gemacht, sein m\u00e4chtig gestiegenes Selbstbewusstsein sichtbar dokumentiert werden. Nach dem Vorbild des Adels oder des st\u00e4dtischen B\u00fcrgertums lie\u00df er den Eingang seines Bauwerks mit der Jahrezahl der Erbauung und dem Titel und dem Namen des Erbauers versehen.<br \/>\nDabei f\u00e4llt nun eines auf: im Untscherschied zum traditionellen Brauchtum seiner o. g. Leitbilder fehlen in seinem Inschriftenstreifen die sogenannten Insignien, Kennzeichen der W\u00fcrde bzw. des Standes, dem der Hausherr angeh\u00f6rte, die Symbole des Eigentums und des freien, vollen B\u00fcrgerrechts.<\/p>\n<figure id=\"attachment_298\" aria-describedby=\"caption-attachment-298\" style=\"width: 607px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-298\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar9b.jpg\" alt=\"\" width=\"607\" height=\"529\"><figcaption id=\"caption-attachment-298\" class=\"wp-caption-text\">Insignien an der T\u00fcr eines B\u00fcrgerhauses (7)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade diese Fundamentalrechte waren es, die dem M\u00fcller bis weit ins 19. Jahrundert hinein vorenthalten blieben. Das M\u00fcllergewerbe galt als &#8222;nicht ehrbar&#8220;, weil es, so sah es die geltende Rechtsordnung vor, der Macht und dem Willen des Landesherrn verpflichtet war und daher auch nicht w\u00fcrdig erschien, in die Gemeinschaft der Zunft oder der Gilde aufgenommen zu werden.<span style=\"font-size: 8pt;\">(8)<br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt;\">Die Balkeninschrift spiegelt also einen wesentlichen Bestandteil der gesellschaftlichen Realit\u00e4t des 17. Jahrhunderts wider. Unser zielstrebiger M\u00fcllermeister hatte zwar das M\u00fchlengeb\u00e4ude und das M\u00fchlenwerk mit eigenen Mitteln errichtet, konnte daran aber keine Eigentumsrechte kn\u00fcpfen. Was ihm blieb, waren die Nutzungsrechte eines Besitzers. Ein M\u00fcller konnte noch so t\u00fcchtig und erfolgreich sein<\/span><\/span>, er lebte formal und real im gesellschaftlichen Grenzbereich.<br \/>\nDie unternehmerische Dynamik Detlef Schwars fand ihre traditionell vorgegebene Standesschranken. Das hat ihn als willensstarkes Naturell mit Sicherheit ma\u00dflos ge\u00e4rgert und provoziert, weitere Initiative zu ergreifen, um den Titel der &#8222;Ehrbarkeit&#8220; zumindest &#8222;in persona&#8220; zu erringen, also f\u00fcr sich selber die volle gesellschaftliche Anerkennung zu erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Detlef Schwars Weg dorthin werde ich in Teil II &#8222;Wege zur Ehrbarkeit&#8220; erl\u00e4utern.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Quellenangaben:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(1) A. C. F\u00f6rste, Ursprung und Name des Dorfes Ovelg\u00f6nne (Moisburg, 1966), p. 15.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(2) Chr. Schleef, Buxtehuder Notizen 2 (Buxtehude, 1986), p. 23f.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(3) W. Benecke, Die alte Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne, ed. 4 (1999), p. 19.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(4) W. Benecke, Die alte Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne, ed. 11 (2006), p. 4ff.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(5) Kirchenb\u00fccher der ev.-luth. Kirchengemeinde Moisburg: 1. Ehe mit Dorothee N. N. (Familie unbekannt), die am 22.08.1671 verstarb.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(6) W. Meyne, Die ehemalige Hausvogtei Moisburg (Harburg &#8211; Wilhelmsburg, 1936), p. 41.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(7) Aus: &#8222;Fachwerkh\u00e4user&#8220;, Die Schatzkammer, Bd. 40 (Prisma Verlag Leipzig, 1990)<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(8) Vgl. dazu Schleef a. a. O., p. 25<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Werner Benecke (+)<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Unternehmerisches Talent im Zeichen feudalistisch gepr\u00e4gter Dominanz, Teil II: Wege zur Ehrbarkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegen uns &#8211; epochenbedingt &#8211; zwar keine Traditionsquellen vor, die uns direkte Einblicke in die Gef\u00fchls- und Gedankenwelt Detlef Schwars gew\u00e4hren k\u00f6nnten, aber die uns verf\u00fcgbaren schriftlichen \u00dcberreste, i. e. Amtsurkunden, Verwaltungsnotizen, Vertragstexte, Inschriften u. \u00e4. zeichnen doch ein klares Bild dar\u00fcber, dass unser M\u00fcllermeister seine Ziele weitsichtig, konsequent und klug zu erreichen wusste. Erw\u00e4hnt werden muss an dieser Stelle, dass bei allen seinen Planungen, vor allem bei den weiterreichenden&nbsp; Zielsetzungen, seiner Familie ein zentraler Stellenwert zugewiesen wurde. Es wurden teilweise Erwartungsfelder gebildet, in denen jeweils geeigneten Mitgliedern familienimmanente Funktionen zugeordnet wurden, um den jeweiligen Stand der Dinge bestm\u00f6glich weiterentwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus seiner ersten Ehe stammen vier Kinder <span style=\"font-size: 8pt;\">(1)<\/span>, von denen der \u00e4lteste Sohn Claus (*1656) und die acht Jahre j\u00fcngere Anna Rebecca (*1664) bedeutsame Rollen in seinem Sinne spielten. Nachdem seine Frau Dorothea im August 1671 gesorben war, heiratete Schwar am 19. September 1672 die aus Hollenstedt stammende Ilsabe Holsten <span style=\"font-size: 8pt;\">(1)<\/span>. Seine zweite Frau (*1646) war 16 Jahre j\u00fcnger als er, und diese Ehe, aus der sieben Kinder hervorgingen, scheint die unternehmerische Dynamik des Meisters erst richtig zur Entfaltung gebracht zu habem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich h\u00e4tte Schwar schon mit sich und den Leistungen, die er bis 1674 erbracht und vorzuweisen hatte, voll zufrieden sein k\u00f6nnen. Als Vertragsvasall des welfischen Herzogs hatte er eine tadellose Bilanz aufzuweisen, und das erwirtschaftete Kapital hatte ihn gar in die Lage versetzt, eigenst\u00e4ndig zu handeln und f\u00fcr den Bau einer &#8222;eigenen&#8220; M\u00fchle zu investieren. Der berechtigte Stolz solle, so ist bereits ausgef\u00fchrt worden, seinen sichtbaren Ausdruck im&nbsp; Balken \u00fcber dem Eingang zur Ovleg\u00f6nner Wasserm\u00fchle finden und gleichzeitig &#8211; zumindest latent &#8211; gesellschaftspolitische Anspr\u00fcche f\u00fcr sich und das &#8222;M\u00fchlengewerbe&#8220; anmelden. <span style=\"font-size: 8pt;\">(2)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bed\u00fcrfnis Schwars, der in hochmittelalterlichen Zeiten besiegelten grundherrlichen Dominanz zu relativieren und dem fest verankerten Status der &#8222;Unehrlichkeit&#8220; entgegenzuwirken, war offensichtlich zu der Zeit \u00fcberm\u00e4chtig geworden, so dass er alle Hebel in Bewegung setzte, um ein Maximum an beruflicher Rehabilitierung und &#8211; nicht zuletzt &#8211; auch an h\u00f6chstpers\u00f6nlicher Anerkennung in der Gesellschaft zu erzielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte es \u00fcberhaupt eine Chance geben, derart anspruchsvolle Pl\u00e4ne zu verwirklichen, so stellte sich ihm eine Grundbedingung: Er musste das Terrain, auf dem und f\u00fcr das er bis dahin gewirkt hatte, also dem feudalistisch-b\u00e4uerlichen Lebensraum, verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen, die er nur in einem st\u00e4dtisch-b\u00fcrgerlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem finden konnte. Seit der Wiederentdeckung und der unabl\u00e4ssigen Weiterentwicklung der Stadtkultur im Hochmittelalter und der Renaissance, galt eine solche in Europa gemeinhin als Insel &#8222;eines freieren Rechts&#8220;, als &#8222;besonderer Rechtsbezirk&#8220;, in dem die B\u00fcrger ihre inneren Angelegenheiten und Gesch\u00e4ftsvorg\u00e4nge immer mehr in Eigenverantwortlichkeit regeln konnten. <span style=\"font-size: 8pt;\">(3)<br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt;\">Die<\/span><span style=\"font-size: 12pt;\">se unsch\u00e4tzbaren Werte eines Gemeinwesens meinten Detlef Schwar und seine Ilsabe in dem nicht weit entfernten welfischen Harburg finden zu k\u00f6nnen.<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 1297 hatte die damals vergleichsweise v\u00f6llig unbedeutsame Ansiedlung von Fischern, Bauern, Handwerkern und Schiffern vor der &#8222;Horeburg&#8220; das L\u00fcneburger Stadtrecht erhalten. <span style=\"font-size: 8pt;\">(4) <span style=\"font-size: 12pt;\">Mit dieser Ma\u00dfnahme sollte ein st\u00e4rkerer Vorposten eingerichtet und graduell ausgebaut werden zur Absicherung des Herzogtums Braunschweig-L\u00fcneburg im Norden und speziell auch zur Akzentuierung des welfischen Anspruches auf die Elbhoheit gegen\u00fcber dem norderelbischen Hamburg <span style=\"font-size: 8pt;\">(5)<\/span>. Es dauerte jedoch aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden relativ lange, gut drei bis vier Jahrhunderte, bis Harburg sich zu einer vergleichsweise ordentlichen Stadt entwickelt hatte. Erst im 17. Jahrhundert waren die Ausbauma\u00dfnahmen und die poilitischen Rahmenbedingungen so weit gediehen, dass Harburg die typischen Merkmale bzw. die entsprechenden Privilegien, also die von Stadtherrn \u00fcbertragenen Rechte f\u00fcr den Auf- und Ausbau st\u00e4dtischer Autonomie, aufweisen konnte: Befestigungsanlagen, einen funktionierenden Markt, ein ausgepr\u00e4gtes Gilde- und Zunftwesen und &#8211; nicht zuletzt &#8211; eine eigene Gerichtsbarkeit. Als Beispiel sei hier die Best\u00e4tigung und Erweiterung der Marktrechte f\u00fcr das &#8222;St\u00e4dtlein Haarburg&#8220; durch Herzog Wilhelm 1684 angef\u00fchrt.<span style=\"font-size: 8pt;\"> (6)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_287\" aria-describedby=\"caption-attachment-287\" style=\"width: 690px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-287\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar1.jpg\" alt=\"\" width=\"690\" height=\"536\"><figcaption id=\"caption-attachment-287\" class=\"wp-caption-text\">Marktprivileg vom 25. April 1684<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Entwicklung Harburgs, die hier nur sehr komprimiert nachvollzogen werden kann, nahm der Wirtschaftsbereich &#8222;M\u00fchle&#8220; sehr fr\u00fch eine bedeutende Position ein. Schon 1332\/33 war die herzogliche M\u00fchle an der Br\u00fccke \u00fcber den Seevekanal fertiggestellt worden, und die beiden Komponenten, Kanal und (Binnen-)M\u00fchle, um 1540 zur Steigerung des Arbeitsertrages erweitert und auf einen h\u00f6heren technischen Stand gebracht, fanden ihre zweckm\u00e4\u00dfige Erg\u00e4nzung durch die Begr\u00fcndung eines Kaufhauses ganz in der N\u00e4he <span style=\"font-size: 8pt;\">(7)<\/span>.<br \/>\nDer Bau einer zweiten, der sog. Au\u00dfenm\u00fchle (1564), die Errichtung eines Kornhauses (1597) neben dem Back- und Brauhaus <span style=\"font-size: 8pt;\">(7),<\/span> der Schlossanlage sowie die Errichtung eines Kornmagazins (1645)<span style=\"font-size: 8pt;\">(8) <span style=\"font-size: 12pt;\">dienten offensichtlich sowohl der F\u00f6rderung des Getreidehandels, als auch der Deckung des steigenden Bedarfs an Nahrungsmitteln auf dem Lokalmarkt.<br \/>\nAlle diese Ma\u00dfnahmen erh\u00f6hten im Zuge einer fortschreitenden Arbeitsstellung die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit im Handwerks- und Dienstleistungsbereich. <span style=\"font-size: 8pt;\">(9)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Dies verdeutlicht der folgende Auszug aus der Auflistung der st\u00e4dtischen Berufskategorien anhand der Dokumentation einer Einwohnerz\u00e4hlung von 1725. <span style=\"font-size: 8pt;\">(9)<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_288\" aria-describedby=\"caption-attachment-288\" style=\"width: 688px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-288\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar2.jpg\" alt=\"\" width=\"688\" height=\"535\"><figcaption id=\"caption-attachment-288\" class=\"wp-caption-text\">Auflistung der Berufe in Harburg zur damaligen Zeit<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinhin muss festgestellt werden, dass die Attraktion Harburgs bis zum Ende des 17. Jahrhunderts stetig wuchs und die Einwohnerzahl dementsprechend auf fast 4.000 stieg. <span style=\"font-size: 8pt;\">(10) <span style=\"font-size: 12pt;\">Ende der 70er-Jahre orientierte sich also auch Detlef Schwer zunehmend dorthin, um die Vorteile st\u00e4dtischer Lebensformen f\u00fcr die Befriedung seiner pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse in Anspruch zu nehmen und als M\u00fcller endlich ein Mehr an &#8222;Ehre&#8220; zu erringen. Die &#8222;ans Amt geh\u00f6rigen M\u00fchlen&#8220;, die &#8222;Binnen&#8220;- und die &#8222;Butenm\u00f6hl&#8220;, schienen in einem werkgerechten, soliden Zustand zu sein <span style=\"font-size: 8pt;\">(11)<\/span> und boten durch ihre Eintragung ins &#8222;Harburger Erbregister von 1667&#8220; generelle Rechts- und Kalkulationssicherheit. <span style=\"font-size: 8pt;\">(12)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-289\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar3.jpg\" alt=\"\" width=\"693\" height=\"354\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Schwar seine bestehenden Beziehungen zum herzoglichen Haus in Celle und den guten Ruf, den er dort genoss, ins Spiel gebracht haben, als es f\u00fcr ihn darum ging, sich die umworbene Position eines f\u00fcrstlichen Pachtm\u00fcllers in der Stadt Harburg zu sichern. Zu Ostern 1680 <span style=\"font-size: 8pt;\">(14)<\/span> war es dann entschieden: er konnte die begehrte Stellung beziehen und zog mit Ilsabe entg\u00fcltig nach Harburg. Sein \u00e4ltester Sohn Claus war inzwischen 24 Jahre alt und wohlvorbereitet, die Leitung der M\u00fchlen in Moisburg und Ovelg\u00f6nne zu \u00fcbernehmen, so dass der Familienpatron sich voll und ganz auf seine st\u00e4dtisch orientierten Zielsetzungen konzentrieren konnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_290\" aria-describedby=\"caption-attachment-290\" style=\"width: 691px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-290\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar4.jpg\" alt=\"\" width=\"691\" height=\"405\"><figcaption id=\"caption-attachment-290\" class=\"wp-caption-text\">Die Binnenm\u00fchle, sp\u00e4ter Schlo\u00dfm\u00fchle: Jahrhundertelang hatte die Binnenm\u00fchle das Ende der Schlo\u00df- und den Beginn der M\u00fchlenstra\u00dfe markiert, die hier ineinander \u00fcbergingen. Heute liegt der Schlo\u00dfm\u00fchlendamm, wie die M\u00fchlenstra\u00dfe seit 1950 hei\u00dft, auf direktem Wege unerreichbar jenseits von Stra\u00dfen und Eisenbahngleisen. (11)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_291\" aria-describedby=\"caption-attachment-291\" style=\"width: 697px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-291 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar5.jpg\" alt=\"\" width=\"697\" height=\"408\"><figcaption id=\"caption-attachment-291\" class=\"wp-caption-text\">Harburg, alte M\u00fchle am Au\u00dfendeich: Herzog Otto II. lie\u00df den von Sinstorf kommenden M\u00fchlenbach stauen und errichtete 1556 die Wilstorfer M\u00fchle &#8211; auch &#8222;Buten-&#8220; oder &#8222;Au\u00dfenm\u00fchle&#8220; genannt &#8211; am Au\u00dfenm\u00fchlenteich. Deutlich zu erkennen sind der M\u00fchlendeich im Vordergrund und links das M\u00fchlengeb\u00e4ude. (13)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn der gewiefte Taktiker hatte inzwischen noch eine zweite Initiative ergriffen, die vor allem im Zeichen seiner gesellschaftlichen Statusverbesserung stand, also der Integration in die st\u00e4dtische Gesellschaft dienen sollte. Er hatte offenbar in Erfahrung gebracht, dass das Interieur der Sinstorfer Kirche erneuert und im Stil der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, des Barock, ausgeschm\u00fcckt wurde, bzw. werden sollte. Und er wusste mit Sicherheit auch, dass solche Umbau- und Versch\u00f6nerungsarbeiten enorme Kosten verursachten, und dass Stifter vonseiten des kirchlichen Bauherrn dort willkommen waren. Also stellte er sich in die seit Renaissancezeiten gepflegte Tradition des st\u00e4dtischen B\u00fcrgertums, das im Stolz auf die erbrachten unternehmerischen Leistungen gro\u00dfz\u00fcgige Spenden, z. B. die eines kostbaren Fensters, mit Namen und\/oder dem Zeichen seiner Zunft in der Kirche f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit dokumentierte und pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der altehrw\u00fcrdigen Kirche zu Sinstorf waren bis 1643 bereits eine Empore gefertigt und der Altar neu gestaltet worden <span style=\"font-size: 8pt;\">(15)<\/span>, und es gab auch schon eine neue aus Holz geschnitzte Kanzel, die jedoch in dem ansosten so farbenfreudig aufgemachten Kirchenraum recht unscheinbar wirkte. Hier nun trat Detlef Schwar auf den Plan und verband das N\u00fctzliche mit dem ihm Genehmen: Er bot sich als Stifter f\u00fcr die Ausschm\u00fcckung der Kanzel an und stellte seine Bedingungen, die von der Anordnung der Kunsttafeln geradezu ablesbar sind: Im oberen Bereich der Br\u00fcstung sind die vier Evangelisten figuriert, in der unteren Reihe finden sich neben zwei christlichen Sinnbildern, dem Pfau und dem Pelikan, der doppelk\u00f6pfige Adler des Reichswappens und das Wappenbild des Herzogtums L\u00fcneburg, jeweils in goldenen Farben. An zentraler St\u00e4tte des Kirchensaals, eingerahmt von h\u00f6chster Wertesymbolik des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation, l\u00e4sst sich der Stifter sein Denkmal setzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-292\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar6.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"471\"><\/p>\n<figure id=\"attachment_293\" aria-describedby=\"caption-attachment-293\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-293 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar7.jpg\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"478\"><figcaption id=\"caption-attachment-293\" class=\"wp-caption-text\">Die Originalinschrift lautet: M. Detleff Schware f:L: Pacht M\u00fcller in Harburg Hat Diese gantze Cantzel und Armen Kasten Gott zu Ehren Zieren lassen. Anno 1680<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das k\u00f6nnte als blo\u00dfer Akt der Fr\u00f6mmigkeit oder auch der Dankbarkeit f\u00fcr die kurz zuvor \u00fcbernommenen M\u00fchlen <span style=\"font-size: 8pt;\">(16)<\/span> gedeutet werden. Aber die vornehmlich merkantil orientierte Mentalit\u00e4t Schwars weist auf eine weitergehende Interpretation hin.<br \/>\nEs ist f\u00fcr jene Zeit des sp\u00e4ten 17. Jahrhunderts schon ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Vorgang, dass ein Mensch, der aus einfachen Verh\u00e4ltnissen stammte und dazu noch von Berufs wegen als &#8222;bescholten&#8220; galt, einen traditionell vom Adel und von dem (Gro\u00df-) B\u00fcrgertum besetzten Bannkreis durchbrach und, bei aller Loyalit\u00e4t zu seinem Herrscherhaus, aus einem enorm gewachsenen Selbstgef\u00fchl heraus das berufliche und gesellschaftliche Gleichheitsgebot geradezu ins Bild setzen lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese meine Interpretation macht vor allem auch Sinn im Hinblick auf das real bezogene Ziel, das Detlef Schwar ansteuerte, n\u00e4mlich den Erwerb der vollg\u00fcltigen Mitgliedschaft der Stadtgemeinde. Da er ein Zugereister war, musste er gewisse Bedingungen erf\u00fcllen, inbesondere bekunden oder besser noch konkret beweisen, dass er bereit war, sich f\u00fcr das Wohl des Gemeinwesens zu engagieren. Das Unternehmen Sinstorf erwies sich insofern als meisterhafte Inszenierung zum Erwerb des angestrebten B\u00fcrgerrechts, denn schon wenig sp\u00e4ter hatte er das Vertrauen der Stadtoberen vollends erworben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfer Genugtuung wird er in jenem Zeitraum auch die Eheschlie\u00dfungen seiner beiden \u00e4ltesten Kinder zur Kenntnis genommen haben, passten doch diese ideal in sein Konzept. Sein \u00e4ltester Sohn heiratete im Februar 1682 in Harburg die Tochter eines Chirurgen, also direkt hinein in den etablierten st\u00e4dtischen Mittelstand. Der Brautvater wird offiziell als &#8222;Ehrenvester und Kunsterfahrener Burg und Gr\u00e4flich bestallter Chirurg zu Stadthagen&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(17)<\/span> betitelt.<br \/>\nKurz darauf, am 17. April 1682, wird die Ehe seiner Tochter Rebecca mit Daniel Heinsz, dem Sohn eines Zimmermeisters aus Moisburg, ebenfalls in Harburg, vollzogen. Der diesbez\u00fcgliche standesamtliche Eintrag wird ihn besonders gefreut haben, denn er verweist auf seinen unmittelbar bevorstehenden gro\u00dfen Auftritt. Er wird von Amts wegen mit dem Pr\u00e4dikat &#8222;ehrbar&#8220; tituliert: &#8222;&#8230; Meister Daniel Heyns &#8230; und Jfr., Rebecca Schwaren, des Erbaren und Wohlgeachteten Meister Deitleff Schwaren, bestalten M\u00fcllers alhie, eheliche Tochter.&#8220;<span style=\"font-size: 8pt;\"> (18)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 8. Mai 1682<span style=\"font-size: 8pt;\"> (19)<\/span> konnte er dann feierlich den B\u00fcrgereid leisten, und das bedeutete f\u00fcr ihn den Empfang der rechtlichen und sozialen Gleichstellung innerhalb des st\u00e4dtischen Gemeinwesens. Im Rahmen der g\u00fcltigen Rechtsordnung waren die T\u00fcren f\u00fcr weitere Entfaltungsm\u00f6glichkeiten ge\u00f6ffnet worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die wusste er mit der ihm eigenen Cleverness zu nutzen. Die folgenden Ausz\u00fcge aus der &#8222;Harburger B\u00fcrgerkartei&#8220;<span style=\"font-size: 8pt;\">(20) <span style=\"font-size: 12pt;\">verdeutlichen, dass er dem ideologisch begr\u00fcndeten Anspruch, nur der k\u00f6nne ein guter und verantwortungsvoller B\u00fcrger sein, der ausreichend \u00fcber (Privat-)Eigentum verf\u00fcgt, voll entsprechen wollte. Er kaufte sich regelrecht als Neub\u00fcrger ein, erwarb zwischen 1686 und 1688 Immobilien und die Lizenz f\u00fcr einen Marktstand.<\/span><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-294\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar8.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"437\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-295\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schwar8a.jpg\" alt=\"\" width=\"707\" height=\"324\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das f\u00fcr die Abwicklung dieser Gesch\u00e4ftsvorg\u00e4nge notwendige Kapital wird er aus eigenen R\u00fccklagen, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber vorwiegend durch die Ver\u00e4u\u00dferung der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle beschafft haben, denn, so stellt W. Meyne fest, &#8222;Als im Jahre 1687 Detleff Schwars Pachtzeit ablief, \u00fcbernahm der Amtmann Wihelm Breiger auf drei Jahre beide M\u00fchlen f\u00fcr j\u00e4hrlich 500 Rthl., dann Ostern 1690 Heinrich Holste f\u00fcr den gleichen Pachtpreis &#8230;&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(21)<\/span>.<br \/>\nDas hei\u00dft, dass das Amt Moisburg Schwars Eigentum, die Wasserm\u00fchle Ovelg\u00f6nne, erstanden haben muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Ilsabe scheint bei diesen Unternehmungen eine familienpolitische Rolle gespielt zu haben, zumindest nutzte sie den im Stadtrecht verankerten Tatbestand, dass Frauen ihren M\u00e4nnern zivilrechtlich gleichgestellt waren, in vollem Ma\u00dfe. Entsprechend sorgte sie daf\u00fcr, dass sie das neu erworbene Eigentum gleichberechtigt mit verwaltete und als einzige Erbberechtigte ihres Ehepartners galt, somit die alleinige Nachfolge bez\u00fcglich des Verf\u00fcgungsrechts \u00fcber das o. g. Kapital antreten w\u00fcrde. Ihr Stiefsohn Claus wurde 1691 mit peinlich wirkenden &#8222;zehen &#8211; Pfennig &#8211; Geld&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(20)<\/span> daf\u00fcr ausgezahlt, dass er knapp eineinhalb Jahre nach dem Tod seines Vaters Harburg verlie\u00df und sich in Aum\u00fchle eine eigene Existenz aufbaute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Dezember 1689 starb Detlef Schwar, seine Bestattung erfolgte am 23. Dezember 1689 in Harburg. <span style=\"font-size: 8pt;\">(16)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicherlich hat Detelf Schwar die Grundfesten der bestehenden Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse seiner Zeit nie gemeinhin in Zweifel gezogen, aber er hatte doch immer den Drang versp\u00fcrt, Akzente zu setzen, um seinen herabgesetzten Berufsstand durch harte Arbeit und den Einsatz flexibler Strategien aufzuwerten und zu rehabilitieren.<br \/>\nSeine Rolle als Vater und Betriebsherr hat er ganz offensichtlich immer so verstanden, dass er die von ihm h\u00f6chstgesch\u00e4tzten Grundwerte und Verhaltensweisen zur Erreichung dieses \u00fcbergeordneten Zieles in der Familie und in seinem gesellschaftlichen Umfeld beispielhaft vorlebte. Seine Kinder, so scheint es, wurden von fr\u00fchester Zeit an auf seine Leitlinien eingeschworen und motiviert, immer das zu tun, was getan werden musste oder sollte. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sie, soweit sie bis ins Erwachsenenalter \u00fcberlebt hatten, sein Verm\u00e4chtnis im ideellen Sinne \u00fcbernahmen, d. h. sein Lebenswerk nach seinem Tod in Eigenregie weiterf\u00fchrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Hermann Garbers sich seit den fr\u00fchen 90er Jahren von Maracay (Venezuela) und sp\u00e4ter von Hanstedt aus auf die Suche nach seinen Vorfahren machte, ist er &#8222;zeitlich r\u00fcckw\u00e4rtsschreitend&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(23)<\/span>, auf Schwars \u00e4lteste Tochter als seine Urmutter in der 10. Generation gesto\u00dfen. Wie bereits in einem anderen Zusammenhang erw\u00e4hnt, ist Rebecca 1664 in Moisburg geboren worden und hat den M\u00fcllermeister Daniel Heinsz 1682 in Harburg geheiratet. Danach haben die beiden die Seppenser M\u00fchle betrieben und von dort aus eine verzweigte und beziehungsreiche Stammverwandschaft aufgebaut.&nbsp; Da ihre M\u00fchle zu &#8222;denen ans (Harburger) Amt geh\u00f6rigen&#8220; <span style=\"font-size: 8pt;\">(12)<\/span> z\u00e4hlte, liegt es nahe, dass sie als direkte Nachkommen und engste Vertraute ihres Vaters federf\u00fchrend bei der Abfassung der Petition von 1696 an den Herzog von Celle waren, in der im Namen der M\u00fcller in den \u00c4mtern Harburg und Moisburg die &#8222;Erteilung von Amts- und Gildebriefen&#8220; und die Belehnung mit &#8222;Amts, Gilden und Zunft me\u00dfiger Gerechtigkeit&#8220; angefordert wurde. <span style=\"font-size: 8pt;\">(21)<\/span><br \/>\nWas Detlef Schwar jedoch am meisten gefreut h\u00e4tte, war folgende Gegebenheit: Als sein Gro\u00dfsohn Hans Detlef 1714 den Vater als M\u00fchlenp\u00e4chter dort abl\u00f6ste, war er es, &#8222;der die ersten Schritte zum vollen Privateigentum wagte&#8220;. <span style=\"font-size: 8pt;\">(24)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Georg Schwar aus Neustadt a. Rbge. versuchte seit 1915, seine Vorfahren zu erkunden, und er fand heraus, dass Hans Albrecht Schwar, der 1677 geborene Sohn Detlef und Ilsabe Schwars, sein &#8222;direkter Ahne&#8220; war.<span style=\"font-size: 8pt;\"> (25)<br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt;\">Das von W. Kranz erstellte Familienblatt weist Hans Albrecht Schwar als &#8222;M\u00fchlenmeister&#8220; auf der Ratsm\u00fchle in L\u00fcneburg und seit 1706 als P\u00e4chter der L\u00fcner M\u00fchle aus. <span style=\"font-size: 8pt;\">(26)<\/span> Weitere Schwar Nachkommen sind in anderen Regionen Norddeutschlands als t\u00fcchtige M\u00fcllerfamilien registriert.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist also richtig und mehr als angemessen, wenn Georg Schwar feststellt, dass &#8222;die Schwars eine nicht unbekannte M\u00fcllerfamilie&#8220; seien, &#8222;in der sich das M\u00fcllerhandwerk &#8230; fortgesetzt hat, vornehmlich im L\u00fcneburger Land&#8220; und mit dezent artikuliertem Stolz darauf hinweist, dass Detlef Schwar &#8222;der \u00e4lteste nachweisliche Ahn&#8220; sei, der, das hat er wohl gemeint, das Fundament gelegt und die Weichen f\u00fcr eine prosperierende Zukunft gestellt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 8pt;\">Quellenangaben:<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 8pt;\">(1) H. Garbers, Genealogische Nachforschungen, Maracay\/Hanstedt 1992 ff.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(2) W. Benecke, Detlef Schwar: Unternehmerisches Talent im Zeichen feudalistischer Dominanz, Die alte Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne, ed. 12, p. 11 ff.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">(3) vgl. E. Fuchshuber-Wei\u00df u. a., Die Herausbildung des modernen Europa, Bamberg 1985, p. 33 ff.<\/span><br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 8pt;\">(4) K. Richter, Von der Burg zur Mietskaserne: Das Harburger Schlo\u00df, p. 17<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(5) L. Hellberg u. a., Harburg und Umgebung, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Hamburg 1999, p. 25<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(6) Aus: F. L\u00fcbbers, Harburg, Vom Werden und Wirken der Stadt und dem Leben ihrer B\u00fcrger, Harbuger Jahrbuch, 1940\/41, p. 54 f.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(7) L. Hellberg u. a., a. a. O., p. 25 f.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(8) G. Schr\u00f6ter u. a., Die Geschichte einer deutschen Stadt zwischen K\u00f6nigtum und Diktatur, Hamburg, 1969, p. 15<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(9) F. L\u00fcbbers u. a., a. a. O., p. 54f.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(10) G. Schr\u00f6ter u. a., a. a. O., p 15<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(11) M. Werth-M\u00fchl, Unterwegs im alten Harburg, Helms Museum Harburg 1988, p. 15<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(12) D. Kausche, Bearb., Harburger Erbregister von 1667, Verein f\u00fcr Hamburgische Geschichte Hamburg 1987, p. 110<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(13) Aus: U. Schubert\/J. Ehlers, Harburg im Wandel, Medienverlag 1991, p. 18; p. 52<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(14) Georg Schwar, Neustadt a. Rbge., Genealogische Nachforschungen, Brief vom 27.03.1940 an das Staatsarchiv Stade<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(15) G. Timm\/L. Lemke, 1150 Jahre Kirche zu Sinstorf, Hamburg 1998, p. 8; p. 18<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(16) H. Garbers, a. a. O., Tab. 558: &#8222;Sicher war er ein sehr frommer Mann, denn er stiftete &#8230;&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(17) Familienblatt f\u00fcr Claus Schwar &#8230;, erstellt von W. Kranz, Hamburg 2001<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(18) Trauregister Harburg\/Stadtkirche, Jg. 1682, S. 14., Nr. 11, Abschrift gefertigt von W. Kranz, Hamubrg 1993<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(19) Lt. Angaben des Staatsarchivs Hamburg, G. S. 153, Bd. 7, S 153 &#8211; 154<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(20) B\u00fcrgerkartei, &#8222;Schware, Detleff&#8220; bzw. &#8222;Schware, Ilsabe&#8220;, edd. durch das Helms Museum Harburg nach Unterlagen im Staatsarchiv Hamburg<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(21) W. Meyne, Die ehemalige Hausvogtei Moisburg, Harburg &#8211; Wilhelmsburg 1936, p. 129<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">(22) H. Garbers, a. a. O.<br \/>\n(23) vgl. W. Benecke, Die alte Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne, ed. 11, 2006, p. 5 f.<br \/>\n(24) H. Garbers, a. a. O., Tab 278\/279<br \/>\n(25) G. Schwar, Brief vom 18.04.1940 an das Staatsarchiv Stade<br \/>\n(26) Familienblatt Hans Albrecht Schwar, erstellt von W. Kranz, 2005<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Werner Benecke (+)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Detlef Schwar (&gt; 1630 &#8211; 1689) Unternehmerisches Talent im Zeichen feudalistisch gepr\u00e4gter Dominanz, Teil I Relativ wenig wussten wir bislang von Detlef Schwar, dem Bauherrn <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=213\" title=\"Meister Schwar\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":21,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/213"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=213"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":892,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/213\/revisions\/892"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/21"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}