{"id":25,"date":"2018-02-06T19:31:46","date_gmt":"2018-02-06T19:31:46","guid":{"rendered":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=25"},"modified":"2024-10-29T10:08:52","modified_gmt":"2024-10-29T10:08:52","slug":"backofen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=25","title":{"rendered":"Backofen"},"content":{"rendered":"<h2>Der alte Steinbackofen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Standort eines Backofens wurde so gew\u00e4hlt, dass die \u00d6ffnung des Backschuppens nach S\u00fcden bzw. S\u00fcdost zeigte, da meistens aus dem Westen das &#8222;Schietwetter&#8220; kam. Der Backschuppen besteht in der Regel aus einem Nur-Dach, das vorne und hinten im Giebel jeweils mit \u00d6ffnungen versehen ist, aus denen der Rauch und die Hitze entweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Der Backofenbau<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst wurde der eigentliche Ofen errichtet, danach Drumherum das Geb\u00e4ude. Mit einigen Schichten Mauerwerk schuf man ein ringf\u00f6rmiges Fundament, um hierauf den Ofen zu errichten. Dieses kreisrunde Gebilde wurde mit Sand verf\u00fcllt und mit Schamottsteinen ausgepflastert. In der Mitte dieser runden Platte setzte man einen mit Abstandsn\u00e4geln versehenen Pfahl. Mit Hilfe einer dort befestigten Schnur, versehen mit Knoten, wurde nun das Aufma\u00df zum Mauern der Steinkuppel bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kuppel wurde mit den auf der Geest sog. &#8222;Harsefeldern&#8220; gemauert. Dieser Stein durfte nicht zu hart gebrannt sein (Halbgarer genannt). Als Bindemittel wurde Lehm verwandt, der wiederum nicht zu &#8222;fett&#8220; sein durfte. Um die richtige Konsistenz zu erreichen, wurde er ggf. mit Sand vermengt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wurde Schicht f\u00fcr Schicht an der Schnur mit dem Knoten hochgezogen, bis die Ofenkuppel ca. dreiviertel fertig war. Der Rest musste von au\u00dfen vollenden werden. &#8211; Jetzt wurde die zweite Schicht darauf gemauert. Hierzu kontne man die Reste gut verwerten. Das Format der Steine war hierbei nicht mehr von Bedeutung. &#8211; Den Anschluss bildetete eine ca. 3cm dicke Schicht, die aus Lehm und 5cm langem Stroh hergestellt wurde. Anschlie\u00dfend wurde das Mauerwerk nur noch &#8222;abgerappt&#8220;.<\/p>\n<p>Nach ausreichend langer Trocknung konnte der Ofen angeheizt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_334\" aria-describedby=\"caption-attachment-334\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-334\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/back2.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"508\"><figcaption id=\"caption-attachment-334\" class=\"wp-caption-text\">Der Backofen w\u00e4hrend der Restaurierung<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gebacken wurde fr\u00fcher alle 14 Tage. Gr\u00f6\u00dfere H\u00f6fe hatten einen Backofen, der dann an Backtagen von anderen mitbenutzt wurde.<br \/>\nDie Frauen brachten ihre vorbereiteten Teigwaren und holten sie nach ein paar Stunden des Backens wieder ab. Der Butterkuchen wurde zuerst gebacken und konnte nach kurzer Zeit wieder mitgenommen werden.<\/p>\n<p>In der Ortschaft Ovelg\u00f6nne gab es fr\u00fcher 13 Back\u00f6fen. &#8211; Ein Backofen war f\u00fcr eine Hofstelle \u00e4u\u00dferst wichtig, wurde doch mit ihm die Familie mit Brot versorgt. Mit dem Bau eines Wohnhauses wurde somit auch der Aufbau eines Backofens verbunden.<\/p>\n<h3>Unser Backofen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Backofen auf der Hofstelle Peter Reese, &#8222;Gierdsien&#8220; genannt, ist etwa 250 Jahre alt. Der Hofname soll erinnern an &#8222;Gierd sien Huus&#8220;, n\u00e4mlich an Gerd Hauschild, der diese sog. Brinksitzerstelle im Jahre 1739 gr\u00fcndete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Amtslagerbuch von 1664 finden wir:<br \/>\n&#8222;Dem Brinksietzer Gerd Hauschild ist von dem fr\u00fcheren Amtsrat von Cronhelm ein bei dem M\u00fchlenteich belegener Garten vor 10 Jahren ausgewiesen und am 22. Januar 1740 ratifiziert. Er gibt j\u00e4hrlich davon 9 Mariengroschen Grundhauer, die er f\u00fcr die Zeit vom 01.05.1739 bis dahin 1740 zum ersten Male ins Geldregister getan hat.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Alter des Backofens schlie\u00dfen wir auch aus einer riesigen Buche, deren Standort sich direkt hinter dem Ofen befindet. Ihre Wurzeln sind im Laufe der vielen Jahre unter dem Backofen hindurch gewachsen.<br \/>\nDiese Art des Backofens ben\u00f6tigt keinen Schornstein, da er eine kuppelf\u00f6rmige Form hat. Bei der Beheizung entsteht nur zu Anfang Rauch, der durch das ge\u00f6ffnete Feuerloch, durch die T\u00fcr und die Giebel\u00f6ffnungen abzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zubereitung des Brotteigs begann einen Tag vor dem eigentlichen Backen mit dem Ansetzen des Sauerteigs. Diesen stellte man zum &#8222;Gehen&#8220; \u00fcber Nacht an einen ruhigen, temperierten Ort, zur Not wurde er auch mit einem alten Federbett warmgehalten. Am darauffolgenden Morgen wurden die restlichen Zutaten hinzugef\u00fcgt. Nach kr\u00e4ftigem Durchkneten wurden aus dem Teig die Brotlaibe geformt.<br \/>\nJede B\u00e4uerin hatte f\u00fcr die Herstellung des Brotteigs ihr eigenes Rezept. Die Zutaten, die f\u00fcr den Grundteig ben\u00f6tigt wurden, bestanden jedoch immer aus Sauerteig, Hefe, Wasser und Salz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur damaligen Zeit wurde von den B\u00e4uerinnen bevorzugt ein Brot gebacken, welches durch einen gro\u00dfen Roggenschrotanteil einen herzhaften und kernigen Geschmack erhielt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_335\" aria-describedby=\"caption-attachment-335\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-335\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/back3.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"279\"><figcaption id=\"caption-attachment-335\" class=\"wp-caption-text\">Unser damaliges Backteam beim Anheizen (von links: Ernst Baade, Bruno Neumann, G\u00fcnter Busch, Heinz Diercks (+))<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute wird an Backtagen der Ofen ca. 2 1\/2 Stunden mit trockenem, m\u00f6glichst hartem Holz befeuert, damit er seine richtige Backtemperatur erreicht. Als erstes wir Roggenstroh auf den Boden gepackt (Haferstroh eignet sich nicht, es glimmt nur), dar\u00fcber legr man trockenes Buschwerk und darauf das eigentliche Holz.<br \/>\nF\u00fcrher schichteten die Kinder der Bauern das Heizmaterial im Backofen auf. Daf\u00fcr durften sie dann an den n\u00e4chsten kalten Wintertagen in dem noch wamen Ofen spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer Heizdauer von 2 Stunden wird die Glut mit einer langen Stange auf dem Ofenboden verteilt, damit das Mauerwerk gleichm\u00e4\u00dfig erhitzt wird. Zum Schluss wird die Glut herausgenommen und die restliche Asche mit einem nassen Naturbesen herausgefegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor nun das Backgut hineingeschoben wird, kontrolliert der Heizer die Temperatur. Hierzu nimmt er die Roggen\u00e4hre, die er auf den Brotschieber steckt und ca. 15 Sek. in die Mitte des Ofens h\u00e4lt. Ist die \u00c4hre schwarz, also verbrannt, muss noch mit dem Backen gewartet werden. Eine kaffeebraune \u00c4hre hingegen zeigt an, dass die richtige Temperatur erreicht ist und mit dem Backen begonnen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Heinz Diercks (+)<\/p>\n<hr>\n<h3>B\u00e4uerliches Brotbacken<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit etwa dem 8. Jahrhunder v. Chr. verbreitete sich im Zusammenhang mit dem zunehmenden Roggenanbau im nordwestlichen Europa das Backen ges\u00e4uerter Brote. Die einzelnen Brotsorten bildeten dann im Laufe der Zeit ihre jeweils spezielle Brotsort aus. Im nord-westdeutschen Raum war das Schwarzbrot, auch Pumpernickel genannt, die allgemeine \u00fcbliche Brotsorte.<\/p>\n<p>Hergestellt wurde das Schwarzbrot aus ungebeuteltem und in nur einem Mahlgang gemahlenem Roggenmehl. Da in diesem Mehl noch alle N\u00e4hrstoffe enthalten waren, war die Lagerf\u00e4higkeit begrenzt. Darum wurde stets frischen Mehl verbacken, das zusammen mit Wasser und Sauerteig zum Brotteig verarbeitet wurde.<br \/>\nDer Teig wurde in Backtr\u00f6gen oder Mollen geknetet, deren Gr\u00f6\u00dfe abh\u00e4ngig war von der Zahl der mit Brot zu versorgenden Personen. Dazu z\u00e4hlten nicht nur die Mitglieder der Bauernfamilie und die M\u00e4gde und Knechte, sondern oft auf die &#8222;Heuerlingsfamilien&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zu drei Zentner Roggenmehl wurde auf den gr\u00f6\u00dferen H\u00f6fen verarbeitet. Daf\u00fcr waren gro\u00dfe Backtr\u00f6ge notwendig, die man durch das Aush\u00f6hlen dicker Eichen schuf. L\u00e4ngen bis nahezu vier Meter waren keine Seltenheit.<br \/>\nUm die gro\u00dfe Teigmenge bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, verzichtete man auf das Handkneten. Der st\u00e4rkste Knecht oder der Bauer selbst trat mit blo\u00dfen F\u00fc\u00dfen den Teig und knetete ihn so durch. Vorher wurden die F\u00fc\u00dfe gr\u00fcndlich gewaschen, so dass die Methode nicht f\u00fcr die Bezeichnung &#8222;Schwarzbrot&#8220; verantwortlich zu machen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem der Teig eine Stunde gestanden hatte, begann das &#8222;Ausbroten&#8220;, die Formung der Brotlaibe. Ihre Gr\u00f6\u00dfe variierte zwischen 20 und 50 Pfund, in j\u00fcngerer Zeit zwischen sieben und zw\u00f6lf Pfund. Nun war das Brot fertig, um in den Backofen geschoben zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Back\u00f6fen, in ihrer Grundform gleich, waren in Gr\u00f6\u00dfe, Standort und zugeh\u00f6rigem Geb\u00e4ude regional und sozial stark differenziert. Bei den gr\u00f6\u00dferen H\u00f6fen war der Ofen an die mit einem gewissen Abstand von den Wohnh\u00e4usern errichteten Backh\u00e4user angebaut oder in ihren untergebracht, bei kleineren H\u00f6fen oder in den Kolonistenh\u00e4usern der Moorgebiete war er z. T. im Haus selbst ein- oder am Haus angebaut. Auch v\u00f6llig freistehende Back\u00f6fen, mit einer Plaggenschicht zum Schutz des Lehms bedeckt, waren nicht selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Backofen selbst kann in drei Bestandteile gegliedert werden, in<br \/>\n1. den Herd, die rechteckige Unterlage, aus gestampften Lehm oder Ziegeln,<br \/>\n2. die W\u00f6lbung, der kuppelartige Aufbau aus Lehm, sp\u00e4ter aus Ziegeln,<br \/>\n3. der Ofenmund mit der Ofent\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Ofen wurde Holz oder Torf geschichtet und angez\u00fcndet. Der Rauch zog durch den Ofenmund ab. Bei gr\u00f6\u00dferen \u00d6fen befand sich in der W\u00f6lbung ein kleines Rauchloch, das beim Anheizen den n\u00f6tigen Zug erzeugt und danach mit einem Stein verschlossen werden konnte. Hatte der Ofen die notwendige Temperatur erreicht, dann wurde die restliche Glut und Asche mit einem Aschenkratzer hervorgeholt, der Herd mit einem nassen Sack ges\u00e4ubert und das Brot mit dem Brotschieber &#8222;eingeschlossen&#8220;.<br \/>\nDanach wurde die Ofent\u00fcr verschlossen und mit Lehm abgedichtet. Die Backdauer richtete sich nach der Art und Gr\u00f6\u00dfe des Ofens. Sie betrug bei Schwarzbrot ungef\u00e4hr 24 Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun war das Brot fertig und konnte mit dem Brotschieber herausgenommen werden. Die noch verbleibende Hitze des Ofens nutzte man zum Trocknen von Obst oder auch mal, um feucht gewordene Federbetten zu trocknen.<br \/>\nBen\u00f6tigte man zum Backen des Schwarzbrotes einen Ofen, so konnten Wei\u00dfbrote und Kuchen auch ohne Ofen gebacken werden. Der Teig wurde dann unter einem umgedrehten eisernen Topf gelegt, um den Topf wurde Glut gepackt, und in diesem provisorischen &#8222;Ofen&#8220; war der Teig nach wenigen Stunden fetig gebacken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Quelle: Museumsf\u00fchrer des Museumsdorfes Cloppenburg, 1985, S. 157-158<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der alte Steinbackofen Der Standort eines Backofens wurde so gew\u00e4hlt, dass die \u00d6ffnung des Backschuppens nach S\u00fcden bzw. 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