{"id":33,"date":"2018-02-06T19:38:12","date_gmt":"2018-02-06T19:38:12","guid":{"rendered":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=33"},"modified":"2024-10-29T10:09:12","modified_gmt":"2024-10-29T10:09:12","slug":"mahlstein","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=33","title":{"rendered":"Mahlsteine"},"content":{"rendered":"<h2>Mahlsteine<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von guten Maschinen erwartet man H\u00e4rte und Porosit\u00e4t. Nur dann gibt es, nach Meinung der alten M\u00fchlenbauer, eine Menge scharfer schneidender Ecken und Kanten, welche durch das Rauhauen der einander zugekehrten Fl\u00e4chen noch mehr hervorgelockt werden. Die Andernacher-M\u00fchlensteine (von Andernach am Rhein) und die Champagner-M\u00fchlensteine (aus Frankreich importiert), beide vulkanischen Ursprungs, besitzen jene Eigenschaften in vorz\u00fcglichem Grade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In die Fl\u00e4che solcher Steine brauchen nicht einmal Rinnen, die von der Mitte des Steines, geradlinig oder bogenf\u00f6rmig nach der Peripherie hin laufen, eingehauen zu werden, welches sonst geschieht, um das Getreide besser nach der Peripherie hinzuleiten und zugleich k\u00fchlende Luft nach demselben hinzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je gr\u00f6\u00dfer der Stein, um so geringer ist die zumutbare Drehzahl; das war fr\u00fcher eine allgemeine Regel. Poppe gibt dazu folgende Richtwerte f\u00fcr den L\u00e4ufer an: &#8222;Betr\u00e4gt der Drurchmesser 3 Fu\u00df, dann kann die Umdrehungszahl 200 je Minute betragen, bei 4 Fu\u00df sind es 120 je Minute und bei 6 Fu\u00df 82 je Minute.&#8220; Eine Unterscheidung von Mahl- und Schrotgang war zu dieser Zeit noch nicht \u00fcblich, da man die Mehlgewinnung reichlich unwirtschaftlich betrieb.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-347 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/stein2.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"100\"><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-346 alignleft\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/stein1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"100\"> <img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-348 alignleft\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/stein3.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"100\"><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">verschiedene M\u00fchlsteine<\/p>\n<h3>M\u00fchlsteine sch\u00e4rfen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von Wind- oder Wasserkraft angetriebenen M\u00fchlsteine nutzen sich beim Mahlen des Getreides ab. Deshalb m\u00fcssen ihre Mahlfl\u00e4chen immer wieder neu gesch\u00e4rft werden. Ein Paar M\u00fchlensteine aus Sandstein (aus Derbyshire), das t\u00e4glich zehn Stunden in Betrieb ist, muss etwa alle zehn Tage neu gesch\u00e4rft werden. M\u00fchlensteine aus quarz\u00e4hnlichem, franz\u00f6sischem Stein m\u00fcssen nur alle 3-4 Wochen neu gesch\u00e4rft werden, da sie h\u00e4rter sind. Die englischen M\u00fchlsteine sind meist aus einem einzigen, gro\u00dfen Steinblock gemacht, w\u00e4hrend franz\u00f6sische M\u00fchlsteine oft aus mehreren Segmenten zusammengesetzt sind und von einem Bandeisen zusammengehalten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Steine aus einem h\u00e4rteren Zement-Stein-Gemisch in Gebrauch. Nat\u00fcrlich war ein M\u00fcller froh, wenn er die Steine nicht mehr so oft zu behauen brauchte, denn er war ja zum Erwerb seines Lebensunterhaltes auf die Benutzung der M\u00fchlsteine angewiesen. W\u00e4hrend sie neu gesch\u00e4rft wurden, konnte er sie jedoch nicht benutzen, und wenn er nicht eigens einen Arbeiter zum Sch\u00e4rfen der Steine anstellte, musste er diese Arbeit selbst verrichten. In einer gro\u00dfen M\u00fchle mit vier Paar M\u00fchlensteinen waren selten mehr als drei davon gleichzeitig einsatzbereit. Im Prinzip wurde also in der M\u00fchle immer geschliffen.<\/p>\n<hr>\n<h3>Kenntnis des Steins<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Sch\u00e4rfen der M\u00fchlensteine ist eine komplizierte Arbeit. Es ist n\u00e4mlich nicht damit getan, die Fruchen ein wenig zu vertiefen. Die Steine nutzen sich n\u00e4mlich ungleichm\u00e4\u00dfig ab &#8211; au\u00dfen st\u00e4rker als im Zentrum der Mahlfl\u00e4che. Deshalb wird der Stein zuerst einmal mit dem Streichholz, der Messlehre und rotem Ocker markiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Messlehre besteht aus zwei Holzleisten; eine davon wird in das Loch des unteren M\u00fchlensteins gesteckt, w\u00e4hrend die andere \u00fcber die Mahlfl\u00e4che des Steins streicht und so dem Steinmetz zeigt, wie viel er in der Mitte des Steins abnehmen muss, um die st\u00e4rkere Abnutzung weiter au\u00dfen auszugleichen. Die meisten Steinmetze legen nach dem Behauen einen Pfennig nahe der Mitte auf den Stein und f\u00fchren die Messlehre nochmals dar\u00fcber. Wenn sie den Pfennig herunterlegt, ist der M\u00fchlstein wieder eben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_350\" aria-describedby=\"caption-attachment-350\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-350\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/werkzeug.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-350\" class=\"wp-caption-text\">Werkzeug zum Sch\u00e4rfen von M\u00fchlensteinen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Streichholz ist einfach eine gerade Latte. Sie wird mit rotem Ocker beschmiert und \u00fcber den M\u00fchlstein geschoben. Alle herausstehenden Fl\u00e4chen werden dadurch rot markiert und k\u00f6nnen entfernt werden. Die Arbeit bezeichnet man als das Pr\u00fcfen des Steins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als n\u00e4chstes wird der Stein behauen, und zwar mit der M\u00fcllerpicke, die einem kleinen Breitbeil \u00e4hnelt, oder mit einem Schleifstein aus h\u00e4rterem Gestein, falls nur wenig abgeschliffen werden muss. Als Schleifstein wird meist ein quarzhaltiger franz\u00f6sischer Stein verwendet, der \u00e4u\u00dferst hart ist. Die Werkzeuge des Steinmetzes wirken zwar plump und grob wie dieser franz\u00f6sische Schleifstein, sie sind aber in den richtigen H\u00e4nden zur Ausf\u00fchrung sehr feiner Arbeiten geeignet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann werden, wenn n\u00f6tig, die Furchen im Stein mit einer Spitzhacke vertieft. Bei dem weicheren Sandstein muss das fast jedes Mal gemacht werden, wenn der Stein neu behauen wurde. Die Furchentiefe ist wichtig, da die Furchen die Vorrichtung f\u00fcr das Auswerfen des Mehls rund um den Schleifstein sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00fcssen noch die erhabenen Fl\u00e4chen zwischen den Furchen behauen werden. Bei franz\u00f6sischen M\u00fchlensteinen wird diese Prozedur als Ritzen bezeichnet, da m\u00f6glichst viele, dicht nebeneinander liegende kleine Rillen in den Stein geschlagen werden. Bei englischen M\u00fchlensteinen aus Sandstein nenn man diese Arbeit Stechen, weil viele kleine L\u00f6cher in den Stein geschlagen werden. Wenn das Ritzen bzw. Stechen nicht gemacht wird, kann der M\u00fchlenstein die Kleie nicht sauber vom Kron abtrennen. Unter Kleie versteht man die \u00e4u\u00dferste, faserreiche Schicht der K\u00f6rner. Sie eignet sich gut als Viehfutter.<\/p>\n<p>Die Arbeit am M\u00fchlstein ist oft unbequem. In der klassischen Arbeitshaltung kniet man auf einem Polster und kontrolliert mit einer Hand den Fall der Picke.<\/p>\n<hr>\n<h3>Die Lebensdauer eines M\u00fchlsteins<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein st\u00e4ndig benutzer M\u00fchlstein h\u00e4lt etwa zwanzig bis f\u00fcnfundzwanzig Jahre. Der obere M\u00fchlstein (der sich dreht) ist neu etwa 30cm dick. Der feststehende M\u00fchlstein ist 35-40cm stark. Der untere Stein nutzt sich zuerst ab und wird durch den oberen Stein ersetzt, so dass der M\u00fcller nur einen&nbsp; Stein neu kaufen muss. Normalerweise liefert der Steinbruch die grob behauenen Rohlinge an eine Firma, die sie dann fertig behaut, bevor sie an den M\u00fcller verkauft werden. Ein fertig behauener M\u00fchlstein kostete fr\u00fcher etwa zwanzig englische Pfund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00d6ffnung in der Mitte des M\u00fchlsteins, in die das Korn eingef\u00fcllt wird, nennt man Auge. Eine schwere Eisenstange f\u00fchrt durch das Auge der oberen M\u00fchlsteins und ist mit dem Antriebsrad verbunden, das wiederum mit dem M\u00fchlengetriebe in Verbindung steht. Schon der obere M\u00fchlstein allein wiegt wohl fast eine Tonne, man kann sich also vorstellen, das er eine massive St\u00fctzkonstruktion braucht. Die M\u00fchlsteine d\u00fcrfen \u00fcbrigens niemals trockenlaufen, d. h. sich ohne Getreide dazwischen drehen, da sonst die Mahlfl\u00e4chen besch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein erfahrerner Steinmetz braucht zwei Tage, um ein Paar M\u00fchlensteine neu zu sch\u00e4rfen, das hei\u00dft, in einer M\u00fchle mit vier Paar M\u00fchlensteinen f\u00fcllte das Sch\u00e4rfen eine Arbeitskraft voll aus. Obwohl die neuen M\u00fchlensteine aus h\u00e4rterem Zement-Stein-Gemisch nicht so oft gesch\u00e4rft werden m\u00fcssen, bekommen die Steinmetze wieder mehr Arbeit, wenn der Trend zu gesundem Brot aus traditionell gemahlenem Mehl weiter anh\u00e4lt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_349\" aria-describedby=\"caption-attachment-349\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-349\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schaubild2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-349\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbertragung auf den M\u00fchlenstein<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Quellennachweis:<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 8pt;\">&#8222;Vergessene K\u00fcnste &#8211; Bilder vom alten Handwerk&#8220; von John Seymour, Otto Maier Verlag, Ravensburg, S. 136ff.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Mahlsteine Von guten Maschinen erwartet man H\u00e4rte und Porosit\u00e4t. Nur dann gibt es, nach Meinung der alten M\u00fchlenbauer, eine Menge scharfer schneidender Ecken und Kanten, <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=33\" title=\"Mahlsteine\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":23,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/33"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/33\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":899,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/33\/revisions\/899"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}