{"id":35,"date":"2018-02-06T19:38:30","date_gmt":"2018-02-06T19:38:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=35"},"modified":"2024-10-29T10:09:24","modified_gmt":"2024-10-29T10:09:24","slug":"mahlwerk","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/?page_id=35","title":{"rendered":"Mahlwerk"},"content":{"rendered":"<h3>Mahlvorgang \/ Technik<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Achse des M\u00fchlrades leitet die Drehbewegung ins M\u00fchlengeb\u00e4ude. Im Getriebekeller der M\u00fchle geschieht die Umsetzung der Drehkraft von der waagerechten M\u00fchlradwelle auf die senkrechte (K\u00f6nigs-) Welle durch zwei gro\u00dfe Kammr\u00e4der. Am oberen Ende der K\u00f6nigswelle befindet sich das gro\u00dfe Stirnrad. Von ihm aus erfolgt die \u00dcbertragung auf die Korbr\u00e4der der Mahlwerkswelle (Spindel) und einer senkrechten Welle, die mit Kronrad\u00fcbertragung die waagerechten Welle zur Dreschmaschine antreibt. Schlie\u00dflich l\u00e4uft auf dem Stirnrad noch ein zahnloses Rad f\u00fcr den Sackaufzug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Funkrionen sind es also, die bei der Ovelg\u00f6nner M\u00fchle mit der wassergetriebenen Drehkraft ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen: Aufziehen, Maschinenantrieb (Dreschen, vielleicht auch S\u00e4gen) und vor allem das Mahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dazu nur kurz das Wesentliche des Mahlvorgangs:<br \/>\nAuf dem Mahlboden steht die (abnehmbare) Mahltrommel. In ihr liegt unten der unbewegliche Bodenstein (&#8222;Lieger&#8220;), darauf der drehende Stein (&#8222;L\u00e4ufer&#8220;), der durch die senkrechte Mahlwerksspindel getrieben wird.<br \/>\nDas Mahlgut wird in einen Trichter (Rumpf) gesch\u00fcttet und durch die Bewegung des &#8222;R\u00fcttelschuhs&#8220; zwischen die Mahlsteine gebracht. Das Mehl f\u00e4llt nach unten durch die &#8222;Sackpfeife&#8220;, an deren Ende der Mehlsack gebunden wird.<br \/>\nNeben der Mahltrommel steht der galgenf\u00f6rmige drehbare &#8222;Steinkran&#8220;, mit dessen Greifer der schwere M\u00fchlenstein zum Auswechseln und Sch\u00e4rfen gehoben und gewendet werden kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_362\" aria-describedby=\"caption-attachment-362\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-362\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schaubild.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-362\" class=\"wp-caption-text\">Prinzip der Ovelg\u00f6nner Wasserm\u00fchle (1)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_363\" aria-describedby=\"caption-attachment-363\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-363 size-full\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/schaubild2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><figcaption id=\"caption-attachment-363\" class=\"wp-caption-text\">allg. Prinzip einer Wasserm\u00fchle (2)<\/figcaption><\/figure>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Technologie der M\u00fchlen in Handwerk und Gewerbe<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorbemerkung:<br \/>\nDer h\u00e4ufiger erw\u00e4hnte &#8222;Poppe&#8220; war der Technologie-Professor Johann Heinrich Moritz Poppe, der um 1800 lebte.<\/p>\n<h3>Mahlm\u00fchlen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Mahlen versteht Poppe, die verschiedensten harten Produkte, wie Getreide, Gew\u00fcrze, getrocknete Eichenrinde (zum Gebrauch in der Lohgerberei), gebrannter Kalk, Gibs, Knochen, Farben, Erze u. a., mittels harter, rauher oder schneidender Werkzeuge in kleine St\u00fccke oder in Pulver zu verwandeln.<br \/>\nEinige dieser Produkte sind im Poch- oder Stampfwerk vorzerkleinert und werden dann im Mahlwerk weiter verarbeitet. Als Mahlwerkzeuge dienen meist die Mahlsteine, wobei ein Stein (Bodenstein) feststeht und der zweite (Oberstein) als sogenannter L\u00e4ufer bewegt wird..<br \/>\nDer Antrieb erfolgt mit Wind- oder Wasserkraft. Zur Kraft\u00fcbertragung bei Wasserradantrieb werden in der Regel liegende oder stehende Vorgelege zwischengeschaltet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-364\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/vorgelege.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><\/p>\n<h3>Getreidem\u00fchlen<\/h3>\n<p>Im folgenden soll in kurzer Form die Technologie der Mehlgewinnung, wie sie noch im fr\u00fchen 19. Jahrhundert \u00fcblich war, dargestellt werden.<br \/>\nGenerell sind dazu zwei Arbeitsg\u00e4nge erforderlich: das eigentliche Mahlen und das Beuteln. Das erste geschieht im Mahlwerk und das zweite im Beutelwerk der M\u00fchle.<br \/>\n\u00dcber den Aufbau und die Funktion dieser beiden Werke unterrichtet uns Poppe durch eine \u00fcbersichtliche Prinzipskizze, die durch einige Erl\u00e4uterungen erkl\u00e4rt werden soll:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-361\" src=\"http:\/\/wassermuehle-ovelgoenne.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/prinzip.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Wasserrad (oder von anderen Antriebsmaschinen) (b) wird \u00fcber die Radwelle (a) die Kraft zum Kammrad-Stockgetriebe (c, d) und von diesem nach dem Mahlgang \u00fcbertragen. Die Getriebewelle (e) hei\u00dft M\u00fchlenspindel oder M\u00fchleisen, das mittig durch den Bodenstein geht und den L\u00e4ufer (f) tr\u00e4gt und bewegt. Das M\u00fchleisen ist deshalb \u00fcber die &#8222;Haue&#8220; fest mit dem L\u00e4ufer verbunden. In diesem befindet sich das L\u00e4uferauge, durch das das Getreide f\u00e4llt, um zwischen den Steinen vermahlen zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Getreide wird in einem trichterf\u00f6rmigen Beh\u00e4lter (g), den Rumpf, gesch\u00fcttet und gelangt \u00fcber den Schuh bzw. den R\u00fcttelschuh (h, i) durch eine \u00d6ffnung zum L\u00e4uferauge. Das R\u00fctteln des Schuhs wird von dem umlaufenden M\u00fchlstein (f) durch einen Mechanismus ausgel\u00f6st, der den mit dem Schuh verbundenen R\u00fchrnagel bewegt und dadruch das R\u00fctteln bewirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zargen, ein fassartiger Beh\u00e4lter, umschlie\u00dft die Mahlsteine und h\u00e4lt das zermahlene Getreide so beisammen, dass es nur durch das Mehlloch abflie\u00dfen kann. Da der Schuh schwebend mit Riemen an der Rumpfleiter (m) und an einer kleinen Winde (k) befestigt ist, kann er gehoben und gesenkt werden. Dadurch ver\u00e4ndert sich auch die Gr\u00f6\u00dfe der Auslaufl\u00f6ffnung und die Menge des zwischen die Mahlsteine einflie\u00dfenden Getreides.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso kann der Abstand zwischen den beiden Mahlsteinen durch eine Schraubspindel mit Mutter vergr\u00f6\u00dfert oder verkleinert werden. In der Fachsprache nennt man dieses Ver\u00e4nderung &#8222;die M\u00fchle stellen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur eigentlichen Mehlgewinnung diente das Beutelwerk, das ebenfalls auf der Skizze dargestellt ist. Demnach gelangte das Mahlprodukt durch das Mehlloch (l) der Zarge und eine R\u00f6hre bzw. einen Schlauch in den Mehlbeutel (n, o). Dieser besteht aus einem Spezialgewebe, dem Beuteltuch, wovon es in besonderen Manufakturen hergestellte feinere und gr\u00f6bere Sorten gab. Der Mehlbeutel ist mit den \u00d6ffnungen (n oder o) im Mehlkasten (P) ausgespannt und wird von einem durch die Zacken der Trillingswelle in Bewegung gesetzten Hebelsystem st\u00e4ndig gesch\u00fcttelt. So f\u00e4llt das feinere Mehl durch das Gewebe des Beuteltuches in den Mehlkasten. Der Rest gelang in den &#8222;Kleyenkasten&#8220; (Q).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem feineren Sieb wird die n\u00e4chste Fraktion, das sogenannte Mittelmehl, abgetrennt. Wenn das Gewicht des \u00fcbrigen Mehls noch 80 Prozent des Ausgangsgewichtes betr\u00e4gt, wird es Standardmehl genannt. Wei\u00dfmehl hat nur noch 75 Prozent des Ausgangsgewichtes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst in j\u00fcngster Zeit hat man wiederentdeckt, wie wertvoll Faserstoffe f\u00fcr unsere Ern\u00e4hrung sind. Beim Mahlen des Getreides wird die harte, zum gro\u00dfen Teil unverdauliche Samenschale des Korns zersprengt. Bei hellem Mehl bleibt diese in der Kleie zur\u00fcck, w\u00e4hrend sie im dunklen Mehl mitenthalten ist.<br \/>\nHeute wissen wir, dass eine faserreiche Kost zur Anregung unserer Verdauung \u00e4u\u00dferst wichtig ist. Man hat sogar den Anstieg der Darmkrebserkrankungen auf den Mangel solcher Stoffe in unserer Nahrung zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zur Klassifizierung von Getreidemehl verwendete Zahl beruht auf dem Aschegehalt des Mehls. Sie finden diese Mehltypzahl auf jeder Packung. Die Zahl gibt an, wie viel Milligramm Asche in 100g Mehl nachgewiesen werden kann. Ein Weizenmehl der Type 405 enth\u00e4llt 0,45% Aschebestandteile. Da der Aschegehalt eines Mehls mit der Menge an Schalensubstanzen ansteigt, kann aus dieser Angabe auf den Ausmahlungsgrad geschlossen werden. Je h\u00f6her also die Mehltypenzahl ist, desto mehr Faserstoffe werden Sie darin finden.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Quellennachweis:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">1) Buxtehuder Notizen Nr. 2, &#8222;Die Wasserm\u00fchle zu Ovelg\u00f6nne&#8220; von Heinz Meyer-Bruck und Christoph Schleef, S. 21<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">2) &#8222;Vergessene K\u00fcnste &#8211; Bilder vom alten Handwerk&#8220; von John Seymour, Otto Maier Verlag, Ravensburg, S. 138<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Mahlvorgang \/ Technik Die Achse des M\u00fchlrades leitet die Drehbewegung ins M\u00fchlengeb\u00e4ude. 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